Dieter

Folge 3

Dieter

Dieter frisst nicht. Für Maren ein absoluter Notfall. Für den Erzähler angeblich nur eine unerwartete narrative Entwicklung. Ein Ausflug zum Tierarzt.

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Worum geht's in "Dieter"?

Der Erzähler hätte diese Zusammenfassung gerne selbst geschrieben. Wir haben ihn nicht gelassen.

Dieter frisst nicht. Für Maren Vogt ist das ein absoluter Notfall. Für den Erzähler mit sieben Semestern Germanistik angeblich nur eine unerwartete narrative Entwicklung. Professionelles Interesse. Rein handlungsbezogen. Nichts weiter.

In dieser Folge der Hörspiel-Comedy-Serie Unerzählbar passiert etwas, das in Marens Zweizimmerwohnung in Oldenburg noch nie passiert ist: Sieben Kilo Selbstbewusstsein sitzen vor einer vollen Schale Huhn in Gelee und rühren sich nicht. Normalerweise würde Dieter dafür morden. Heute schaut er das Futter an, als wäre es eine persönliche Beleidigung. Er ist warm. Er schnurrt nicht. Und er geht freiwillig in die Transportbox, was bereits das zweite Warnsignal ist.

Was folgt, ist ein unfreiwilliger Ausflug mit der Linie zwölf zum Tierarzt, eine Frau im Bus, die fragt, ob das ein Hund oder eine Katze ist, ein Ultraschall, der ein verschlucktes Haargummi von Rossmann enthüllt, und ein Erzähler, dessen professionelle Distanz mit jeder Minute ein bisschen mehr bröckelt. Denn zwischen Desinfektionsmittelgeruch und Neonlicht passiert etwas, das keine sieben Semester Germanistik vorbereiten konnten: Er gibt zu, dass er Dieter mag. Nicht den Handlungsbogen. Nicht die narrative Entwicklung. Den Kater.

Eine Folge über Sorgen, die man nicht aussprechen will. Über Hände, die man nicht hat. Und über einen pelzigen Pharao, dessen Schnurrhaare glänzen wie die Saiten einer Harfe. Kostenlos anhören, am besten mit einer Katze auf dem Schoß.

Der Erzähler über diese Folge

Er wurde nicht gefragt. Er hat trotzdem geantwortet.

Erzähler: Diese Episode ist ein intimes Porträt der Verletzlichkeit. Der Mensch angesichts der Sterblichkeit. Die Fragilität des Lebens, gespiegelt in einem

Maren: Dieter hat ein Haargummi gefressen.

Erzähler: Das ist eine grobe Reduktion der thematischen Tiefe.

Maren: Er hat ein Haargummi von Rossmann gefressen und du hast fast geweint.

Erzähler: Stimmen weinen nicht! Stimmen haben keine Tränenkanäle!

Maren: Du hast gesagt: Ich mag Dieter. Mit Zittern in der Stimme.

Erzähler: Das war atmosphärisches Vibrato.

Maren: Du hast ihm Gute Nacht gesagt. Persönlich. Beim Namen.

Erzähler: Das war ein narrativer Abschluss. Standard. Steht in jedem Lehrbuch.

Maren: In welchem Lehrbuch steht: Sag der Katze Gute Nacht?

Erzähler: In dem aus dem siebten Semester. Das du nicht gelesen hast.

Maren: Du hast Haargummipreise recherchiert. Rossmann. Eins neunundneunzig die Packung.

Erzähler: Narrativer Kontext!

Maren: Du kennst dich in der Drogerieabteilung besser aus als ich.

Erzähler: Das ist Recherche. Sorgfältige, professionelle, umfassende Recherche.

Maren: Pelziger Pharao. Schnurrhaare wie Saiten einer Harfe. Zwanzig Minuten für eine schlafende Katze.

Erzähler: Das Licht war literarisch interessant!

Maren: Du magst ihn.

Erzähler: Er ist eine akzeptable Nebenfigur.

Maren: Du liebst ihn.

Erzähler: Neues Thema.

In dieser Folge

Einer macht sich keine Sorgen. Eine ruft den Tierarzt. Einer hat ein Haargummi gefressen.

Picture of Der Erzähler

Der Erzähler

Begleitet Maren zum Tierarzt. Aus rein professionellem Interesse, versteht sich. Versteckt echte Sorge hinter narrativer Distanz, narrativem Optimismus und narrativem Kontext. Recherchiert Haargummipreise bei Rossmann. Gibt zum ersten Mal in seiner Karriere zu, dass er eine Nebenfigur mag. Sagt Dieter Gute Nacht. Und es war furchtbar.

Picture of Maren

Maren

Bemerkt morgens um halb sieben, dass Dieter nicht frisst, und schaltet sofort in den Notfallmodus. Fährt mit der Linie zwölf zum Tierarzt, erklärt einer Frau im Bus, dass die Katze Dieter heißt, und bleibt den ganzen Tag zu Hause auf Dieters Sofa. Entdeckt, dass ihr Erzähler einfühlsam ist. Merkt sich das.

Picture of Dieter

Dieter

Frisst nicht. Lässt sich widerstandslos hochheben und in die Transportbox setzen, was alle sehr beunruhigt. Erträgt den Tierarzt mit der Würde eines Königs bei einer lästigen Audienz. Hat ein Haargummi gefressen. Frisst abends wieder, als wäre nichts gewesen, und schiebt die Schale über den Küchenboden. Liegt nachts näher an Maren als sonst. Sein Kopf auf ihrem Arm.

Häufig gestellte Fragen

Maren und der Erzähler beantworten eure Fragen

Erzähler: Die narrative Architektur dieser Serie ist komplex und vielschichtig. Man sollte idealerweise am Anfang beginnen, um die subtilen
Maren: Kater frisst nicht, wir fahren zum Tierarzt, er hat ein Haargummi gefressen. Du steigst schon ein.
Erzähler: Aber die Figurenentwicklung! Die Beziehungsdynamik! Die Vorgeschichte mit Tobias!
Maren: Tobias schickt drei Emojis und wir gucken Paddington. Das wars. Hör einfach rein.
Erzähler: Du vereinfachst mein Lebenswerk.
Maren: Gern geschehen.

Maren: Er frisst wieder. Abends hat er die Schale über den Küchenboden geschoben.
Erzähler: Sieben Kilo Selbstbewusstsein in voller Aktion. Es war poetisch.
Maren: Er hat gefressen wie ein Staubsauger. Das war nicht poetisch.
Erzähler: Das Haargummi muss allerdings noch den natürlichen Weg finden.
Maren: Darüber reden wir nicht.
Erzähler: Da sind wir uns ausnahmsweise einig.

Erzähler: Er ist eine akzeptable Nebenfigur mit gewissem narrativem Potenzial.
Maren: Du hast gesagt: Ich mag Dieter. Wörtlich. Ich war dabei.
Erzähler: Das war unter Zwang.
Maren: Ich habe dich gebeten, es einmal zu sagen. Das ist kein Zwang.
Erzähler: Emotionale Nötigung ist auch Zwang!
Maren: Du hast ihm Gute Nacht gesagt.
Erzähler: Pelziger Pharao. Akzeptable Nebenfigur. Mehr sage ich nicht.
Maren: Mehr musst du auch nicht sagen.

Erzähler: Dieter liegt im Licht wie ein pelziger Pharao und seine Schnurrhaare glänzen wie die Saiten einer Harfe. Einer meiner besten Sätze, wenn ich das so sagen darf.
Maren: Darfst du. Den habe ich mir sogar gemerkt.
Erzähler: Du merkst dir meine guten Sätze?
Maren: Die guten. Die schlechten vergesse ich. Also fast alles.
Erzähler: Das war die freundlichste Beleidigung, die du je abgeliefert hast.
Maren: Ich übe ja auch.

Mehr Folgen

Der Erzähler nennt es ein Gesamtwerk. Maren nennt es Dienstag.

Folge 6

Das Smartphone

Maren zeigt dem Erzähler ihr Smartphone. Er verliert Goethe an die Autokorrektur, entdeckt Katzenvideos und schreibt seinen ersten Instagram-Post. Über Dieter.

Folge 2

Das Date

Maren hat ein Date. Der Erzähler hat Meinungen. Dieter hat die rechte Seite des Bettes besetzt. Und niemand von den dreien gedenkt, das zu ändern.

Folge 3

Dieter

Dieter frisst nicht. Für Maren ein absoluter Notfall. Für den Erzähler angeblich nur eine unerwartete narrative Entwicklung. Ein Ausflug zum Tierarzt.