Dieter frisst nicht. Für Maren Vogt ist das ein absoluter Notfall. Für den Erzähler mit sieben Semestern Germanistik angeblich nur eine unerwartete narrative Entwicklung. Professionelles Interesse. Rein handlungsbezogen. Nichts weiter.
In dieser Folge der Hörspiel-Comedy-Serie Unerzählbar passiert etwas, das in Marens Zweizimmerwohnung in Oldenburg noch nie passiert ist: Sieben Kilo Selbstbewusstsein sitzen vor einer vollen Schale Huhn in Gelee und rühren sich nicht. Normalerweise würde Dieter dafür morden. Heute schaut er das Futter an, als wäre es eine persönliche Beleidigung. Er ist warm. Er schnurrt nicht. Und er geht freiwillig in die Transportbox, was bereits das zweite Warnsignal ist.
Was folgt, ist ein unfreiwilliger Ausflug mit der Linie zwölf zum Tierarzt, eine Frau im Bus, die fragt, ob das ein Hund oder eine Katze ist, ein Ultraschall, der ein verschlucktes Haargummi von Rossmann enthüllt, und ein Erzähler, dessen professionelle Distanz mit jeder Minute ein bisschen mehr bröckelt. Denn zwischen Desinfektionsmittelgeruch und Neonlicht passiert etwas, das keine sieben Semester Germanistik vorbereiten konnten: Er gibt zu, dass er Dieter mag. Nicht den Handlungsbogen. Nicht die narrative Entwicklung. Den Kater.
Eine Folge über Sorgen, die man nicht aussprechen will. Über Hände, die man nicht hat. Und über einen pelzigen Pharao, dessen Schnurrhaare glänzen wie die Saiten einer Harfe. Kostenlos anhören, am besten mit einer Katze auf dem Schoß.