Manche Morgen beginnen mit dem Gefühl, dass die Welt sich verändert hat. Und manche Morgen beginnen in einer Zweizimmerwohnung in Oldenburg, mit einem Wecker, der zu früh klingelt, und einer Katze, die Frühstück verlangt.
Als ein Erzähler mit sieben Semestern Germanistik beschließt, das Leben von Maren Vogt zu erzählen, hat er einen klaren Plan: Tragik, Weltschmerz, literarische Tiefe. Maren hat einen anderen Plan. Kaffee. Schwarz, zwei Zucker. Und bitte keine Metaphern vor dem ersten Schluck.
Was folgt, ist ein ganz normaler Tag. Maren fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit in der Zahnarztpraxis von Doktor Freytag, kauft Franzbrötchen beim Bäcker (ein Gebäck mit Zimt, nicht etwa ein Symbol für die deutsch-französische Sehnsucht) und kommt abends nach Hause zu einem Kater namens Dieter, der die rechte Bettseite für sich beansprucht. Der Erzähler versucht währenddessen verzweifelt, aus jedem einzelnen Moment große Literatur zu machen. Und scheitert. An einer Frau, die Pathos in drei Worten erdet und jede Metapher mit Pragmatismus kontert.
Aber irgendwo zwischen einem Pickel am Kinn, den der Erzähler in Weltschmerz umdichten will, und einer gesummten Melodie beim Zähneputzen passiert etwas Unerwartetes. Nicht Tragik. Nicht Literatur. Etwas Besseres. Der Beginn von etwas, das keiner der beiden geplant hat.