Dieter

Folge 7

Der Filmabend

Der Erzähler hat noch nie ferngesehen. Maren hat eine Fernbedienung mit siebenundvierzig Knöpfen. Einer von beiden schreit am Ende den Bachelor an.

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Worum geht's in "Der Filmabend"?

Der Erzähler hätte diese Zusammenfassung gerne selbst geschrieben. Wir haben ihn nicht gelassen.

Freitagabend in Oldenburg. Die Woche ist vorbei, der Regen trommelt gegen die Fenster, und Maren Vogt hat sich auf dem Sofa eingerichtet wie jemand, der vor Montag nicht vorhat, es wieder zu verlassen. Popcorn steht bereit. Dieter liegt auf der Armlehne. Und in Marens Hand liegt ein kleines schwarzes Gerät mit siebenundvierzig Knöpfen.

Der Erzähler hat noch nie ferngesehen. Noch nie. Kein Kino, kein Streaming, keine Ahnung, was Netflix ist. Und als der schwarze Kasten an der Wand plötzlich zu leuchten beginnt, ist nichts mehr wie vorher. Was folgt, ist eine Reise durch die gesamte moderne Unterhaltungskultur an einem einzigen Abend. Filmbeschreibungen, die klingen wie Horoskope. Ein Trailer, der das Ende verrät. Ein Krimi, den der Erzähler in zehn Minuten löst. True Crime zur Entspannung. Und eine Dating-Show, die einen Mann mit sieben Semestern Germanistik dazu bringt, den Fernseher anzuschreien, weil die Frau mit den Locken die Rose verdient hätte.

In dieser Folge der Hörspiel-Comedy Unerzählbar trifft literarischer Anspruch auf Streaming-Algorithmen, Hecken-Forensik auf Reality TV und narrative Distanz auf siebenundneunzig Prozent Übereinstimmung. Kostenlos anhören und herausfinden, ob der Bruder es wirklich war.

Der Erzähler über diese Folge

Er wurde nicht gefragt. Er hat trotzdem geantwortet.

Erzähler: Eine Meditation über die fundamentale Krise des Erzählens im Zeitalter visueller Reizüberflutung. Kafka hätte den Fernseher aus dem Fenster geworfen.

Maren: Du hast den Bachelor angeschrien.

Erzähler: Ich habe dramaturgische Empfehlungen gegeben! Die Frau mit den Locken hatte den besseren Erzählbogen!

Maren: Du hast wortwörtlich gesagt: Sie ist ein Adjektiv ohne Substantiv.

Erzähler: Was sie WAR! Ich stehe dazu!

Maren: Du hast auch mit dem Fernseher geredet. Auf Pause. Alleine im Wohnzimmer.

Erzähler: Das war ein innerer Monolog.

Maren: Ich hab dich durch die Badezimmerwand gehört.

Erzähler: Innere Monologe SIND laut! Das ist der Sinn!

Maren: Und die Hecke? Du hast einen True-Crime-Fall anhand einer Hecke gelöst.

Erzähler: Die Hecke war auf einer Seite geschnitten und auf der anderen nicht! Das war OFFENSICHTLICH!

Maren: Hecken-Forensik. Sieben Semester.

Erzähler: Ich habe außerdem den Krimi in zehn Minuten durchschaut. Der Bruder war es. Wie immer.

Maren: Stimmt. Du schuldest mir trotzdem kein Franzbrötchen.

Erzähler: Und du schuldest mir die Geschichte vom Zahnarzt-Kongress in Hamburg.

Maren: Die Geschichte existiert nicht.

Erzähler: Das Radisson Blu. Der Vortrag über Wurzelbehandlungen.

Maren: Neues Thema.

Erzähler: HA! DAS ist normalerweise MEIN Satz!

In dieser Folge

Einer hat noch nie ferngesehen. Eine hat die Fernbedienung. Einer schläft auf der Armlehne.

Picture of Der Erzähler

Der Erzähler

Sieht zum ersten Mal in seinem Leben fern. Hält den Fernseher für ein riesiges Handy, Netflix für eine Bedrohung seiner Existenz und die Fernbedienung für ein Gerät mit zu vielen Knöpfen und keinem für die Handlung. Löst einen Krimi in zehn Minuten, betreibt Hecken-Forensik bei True Crime und schreit den Bachelor an, weil die Frau mit den Locken die Rose verdient hätte. Redet mit dem Fernseher auf Pause. Nennt es inneren Monolog.

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Maren

Wollte eigentlich einfach nur einen Film schauen. Stattdessen erklärt sie dem Erzähler, was Netflix ist, was eine Fernbedienung macht und warum Filmbeschreibungen wie Horoskope klingen. Lacht so viel wie in keinem anderen Freitagabend zuvor. Sagt am Ende etwas über siebenundneunzig Prozent Übereinstimmung, das sie vermutlich nicht so gemeint hat. Oder doch.

Picture of Dieter

Dieter

Liegt auf der Armlehne. Verschläft den gesamten Filmabend, den Krimi, die True-Crime-Doku und die Dating-Show. Hat laut dem Erzähler siebenundneunzig Prozent Übereinstimmung mit einem Sofakissen. Widerspricht nicht.

Häufig gestellte Fragen

Maren und der Erzähler beantworten eure Fragen

Erzähler: Ich habe Geschichten ERZÄHLT. Ich brauchte keinen leuchtenden Kasten, der sie mir ZEIGT.
Maren: Du hast den Fernseher ein riesiges Handy an der Wand genannt.
Erzähler: Was er IST! Der einzige Unterschied ist die Größe!
Maren: Und dass man keine Emojis schicken kann.
Erzähler: Wenigstens ETWAS Würde.
Maren: Zehn Minuten später hast du den Bachelor angeschrien. So viel zur Würde.

Erzähler: Selbstverständlich war es der Bruder. Es ist IMMER der Bruder.
Maren: Du hast den Film nach fünf Sekunden gelöst, ohne je einen Film gesehen zu haben.
Erzähler: Sieben Semester Erzähltheorie. Plots folgen Mustern. Ich nehme keine Korrekturen an.
Maren: Du hast auch gesagt, Unschuldige drehen sich schneller um. Mit weniger Kinn.
Erzähler: Was sie TUN!
Maren: Weniger Kinn. Ich werde das nie vergessen.

Maren: Der Erzähler hat acht Minuten Reality TV geschaut und eine Favoritin.
Erzähler: Sie hatte den besseren Erzählbogen! Sie hat sich emotional geöffnet! Im Gegensatz zur Blonden, die ein Adjektiv ohne Substantiv war!
Maren: Du hast eine Dating-Show mit Grammatik analysiert. Du bist der erste Mensch, der das tut.
Erzähler: Der Mann mit dem Gel war ein Antagonist. Er hat in die Kamera geschaut. Niemand, der verliebt ist, schaut in die Kamera.
Maren: Du warst süchtig. Zehn Minuten ohne Blinzeln.
Erzähler: Ich habe ANALYSIERT.

Erzähler: Ein statistischer Wert, den Netflix verwendet, um die Kompatibilität zwischen Zuschauer und Inhalt zu berechnen. Rein algorithmisch.
Maren: Ich habe gesagt, du hast siebenundneunzig Prozent Übereinstimmung mit mir.
Erzähler: Was statistisch bemerkenswert ist.
Maren: Romantisch wäre auch ein Wort gewesen.
Erzähler: Narrative Distanz.
Maren: Die schrumpft.

Mehr Folgen

Der Erzähler nennt es ein Gesamtwerk. Maren nennt es Dienstag.

Folge 2

Das Date

Maren hat ein Date. Der Erzähler hat Meinungen. Dieter hat die rechte Seite des Bettes besetzt. Und niemand von den dreien gedenkt, das zu ändern.

Folge 5

Das Bürgeramt

Maren braucht einen neuen Personalausweis. Der Erzähler betritt zum ersten Mal eine deutsche Behörde. Eine hat ein Buch dabei. Der andere verliert den Verstand.

Folge 8

Der Arztbesuch

Maren hat einen Arzttermin. Um halb zehn. Sie sind seit acht Uhr da. Der Erzähler hat noch nie ein Wartezimmer erlebt. Er wird es nie vergessen.