Es gibt Orte, an denen die Zeit aufhört zu existieren. Schwarze Löcher. Das Bermudadreieck. Und das Bürgeramt Oldenburg, Abteilung B, Sachgebiet 2.
Maren Vogt braucht einen neuen Personalausweis. Ihrer läuft ab. Wie Joghurt, nur dass Joghurt nach dem Ablaufdatum meistens noch gut ist. Sie hat einen Online-Termin, zehn Uhr vierzig. Ein biometrisches Passfoto, auf dem sie aussieht, als hätte jemand ihr den Kaffee weggenommen. Und einen Erzähler mit sieben Semestern Germanistik, der zum ersten Mal in seinem Leben eine deutsche Behörde betritt.
Was folgt, sind hundertdreizehn Minuten auf Plastikstühlen unter Neonlicht. In dieser Hörspiel-Comedy passiert alles und nichts gleichzeitig: Wartenummern kriechen vorwärts, ein Beamter transportiert eine einzelne Akte über elf Meter Linoleum, ein junger Mann verschläft seinen Termin, und der Erzähler dichtet einem fremden Nummernschild eine Liebesgeschichte an. Maren liest Donna Leon. Der Erzähler liest eine Broschüre über das Bundesmeldegesetz in Verbindung mit der Allgemeinen Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Bundesmeldegesetzes. Einer von beiden verliert den Verstand.
Zwischendurch stellt Maren eine Beobachtung an, die den Erzähler bis ins Mark trifft: Er und die Verwaltung haben die gleiche Technik. Beide benutzen dreimal so viele Wörter wie nötig. Beide verpacken einfache Dinge in komplizierte Sätze. Und beide brauchen einen Übersetzer.
Kostenlos anhören, am besten auf einem Plastikstuhl. Für das authentische Erlebnis.