Dieter

Folge 1

Die Begegnung

Ein Erzähler will das Leben einer Frau in Oldenburg erzählen. Tragisch, bedeutungsschwer, literarisch. Sie hat andere Pläne.

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Worum geht's in "Die Begegnung"?

Der Erzähler hätte diese Zusammenfassung gerne selbst geschrieben. Wir haben ihn nicht gelassen.

Manche Morgen beginnen mit dem Gefühl, dass die Welt sich verändert hat. Und manche Morgen beginnen in einer Zweizimmerwohnung in Oldenburg, mit einem Wecker, der zu früh klingelt, und einer Katze, die Frühstück verlangt.

Als ein Erzähler mit sieben Semestern Germanistik beschließt, das Leben von Maren Vogt zu erzählen, hat er einen klaren Plan: Tragik, Weltschmerz, literarische Tiefe. Maren hat einen anderen Plan. Kaffee. Schwarz, zwei Zucker. Und bitte keine Metaphern vor dem ersten Schluck.

Was folgt, ist ein ganz normaler Tag. Maren fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit in der Zahnarztpraxis von Doktor Freytag, kauft Franzbrötchen beim Bäcker (ein Gebäck mit Zimt, nicht etwa ein Symbol für die deutsch-französische Sehnsucht) und kommt abends nach Hause zu einem Kater namens Dieter, der die rechte Bettseite für sich beansprucht. Der Erzähler versucht währenddessen verzweifelt, aus jedem einzelnen Moment große Literatur zu machen. Und scheitert. An einer Frau, die Pathos in drei Worten erdet und jede Metapher mit Pragmatismus kontert.

Aber irgendwo zwischen einem Pickel am Kinn, den der Erzähler in Weltschmerz umdichten will, und einer gesummten Melodie beim Zähneputzen passiert etwas Unerwartetes. Nicht Tragik. Nicht Literatur. Etwas Besseres. Der Beginn von etwas, das keiner der beiden geplant hat.

Der Erzähler über diese Folge

Er wurde nicht gefragt. Er hat trotzdem geantwortet.

Erzähler: Mein Debüt. Eine Meditation über die fundamentale Einsamkeit des modernen Menschen, verpackt in den scheinbar unspektakulären Tagesablauf einer Frau, die sich weigert, einsam zu sein. Kafka hätte geweint. Camus hätte genickt. Ich hätte den Literaturnobelpreis verdient.

Maren: Du hast versucht, meinen Pickel in Weltschmerz umzudichten.

Erzähler: Das ist eine grobe Vereinfachung eines komplexen narrativen Ansatzes.

Maren: Du hast wortwörtlich gesagt: „Die Leere in ihrem Spiegelbild.”

Erzähler:

Maren: Und dann hast du versucht, mein Franzbrötchen als Symbol für die deutsch-französische Sehnsucht zu verkaufen.

Erzähler: Es hätte funktioniert. Mit einer anderen Protagonistin.

Maren: Es ist ein Gebäck mit Zimt.

Erzähler: Das sagst du jedes Mal. Und jedes Mal stirbt ein Teil von mir.

Maren: Du hast keine Körperteile.

Erzähler: Mein Stolz hat Körperteile. Und sie sterben. Regelmäßig.

Maren: Immerhin hast du am Ende was Schönes über Dancing Queen gesagt.

Erzähler: Wenigstens das wird anerkannt.

Maren: Einmal. Du kriegst einmal ein Lob. Nutz es weise.

Erzähler: …Du recyclest meine eigenen Sätze gegen mich.

Maren: Lernfähig. Für eine Protagonistin.

In dieser Folge

Einer wollte große Literatur. Eine wollte ihre Ruhe. Einer wollte Thunfisch.

Picture of Der Erzähler

Der Erzähler

Tritt an seinen ersten Arbeitstag an. Mit sieben Semestern Germanistik, einem Repertoire aus Tragik und Weltschmerz und der festen Überzeugung, dass dieser Tag sein Meisterwerk wird. Scheitert an einem Franzbrötchen. Und an einer Frau, die sich weigert, auch nur fünf Sekunden existentiell verzweifelt zu sein.

Picture of Maren

Maren

Steht auf, macht Kaffee, fährt zur Arbeit, kommt nach Hause. Ein ganz normaler Tag. Wäre da nicht eine Stimme in ihrer Wohnung, die versucht, ihren Pickel in Weltschmerz umzudichten. Vergleicht den Erzähler mit einem Tinnitus. Der manchmal ganz schöne Sätze sagt.

Picture of Dieter

Dieter

Frisst. Schläft. Beansprucht die rechte Bettseite. Wird vom Erzähler als Figur „von beachtlicher Körperfülle" vorgestellt und weigert sich, das zu kommentieren. Hat den ruhigsten Tag von allen dreien.

Häufig gestellte Fragen

Maren und der Erzähler beantworten eure Fragen

Erzähler: Selbstverständlich. Man beginnt ein Epos am Anfang. Das ist elementare Erzähltheorie.
Maren: Du kannst auch einfach irgendwo einsteigen. Jede Folge funktioniert für sich.
Erzähler: NEIN. Die narrative Architektur baut aufeinander auf! Folge 1 ist das Fundament!
Maren: Es ist neunzehn Minuten Streit über Kaffee und Franzbrötchen.
Erzähler: Neunzehn Minuten KUNST.
Maren: Hör einfach rein, wo du willst. Aber wenn du von Anfang an dabei bist, verstehst du mehr Insider. Das stimmt.

Erzähler: Ich. Und meine Protagonistin, die mich konsequent unterbricht.
Maren: Wir sind zu zweit. Der Erzähler und ich. Ab späteren Folgen kommen noch andere Leute vor. Aber das Grundprinzip bleibt: Er redet, ich korrigiere.
Erzähler: Das ist nicht das Grundprinzip!
Maren: Was ist es dann?
Erzähler: Ich erzähle. Du… lebst. Und gelegentlich kommentierst du.
Maren: Also: er redet, ich korrigiere.

Erzähler: Endlich fragt jemand die wichtigen Fragen. Der Name Dieter ist eine tragische Referenz an eine verlorene Liebe, ein Echo der Vergangenheit, das in jeder…
Maren: Er heißt Dieter, weil mein Exfreund auch so war. Fett, faul, überzeugt davon, dass ihm die Wohnung gehört.
Erzähler: Ich hatte gerade einen Moment.
Maren: Und Dieter hatte gerade einen Thunfisch. Wir alle haben Prioritäten.

Maren: Neunzehn Minuten und zweiundvierzig Sekunden. Perfekt für den Weg zur Arbeit.
Erzähler: Oder für einen ruhigen Abend, an dem man sich einem literarischen Meisterwerk hingeben möchte.
Maren: Oder für die Mittagspause. Geht auch.
Erzähler: Du nimmst der Kunst die Würde.
Maren: Die Kunst hat keine Würde. Die Kunst hat einen Kater, der Dieter heißt.

Mehr Folgen

Der Erzähler nennt es ein Gesamtwerk. Maren nennt es Dienstag.

Folge 5

Das Bürgeramt

Maren braucht einen neuen Personalausweis. Der Erzähler betritt zum ersten Mal eine deutsche Behörde. Eine hat ein Buch dabei. Der andere verliert den Verstand.

Folge 4

P7, Reihe D

Maren braucht ein Regal. Der Erzähler betritt zum ersten Mal IKEA. Keiner von beiden wird diesen Tag vergessen. Einer wird ihn bereuen.

Folge 2

Das Date

Maren hat ein Date. Der Erzähler hat Meinungen. Dieter hat die rechte Seite des Bettes besetzt. Und niemand von den dreien gedenkt, das zu ändern.