Dieter

Folge 9

Die Zugfahrt

Maren fährt Zug. Der Erzähler ist nach acht Minuten gelangweilt. Die Lösung: ein Reimduell quer durch Niedersachsen. Dieter schläft.

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Worum geht's in "Die Zugfahrt"?

Der Erzähler hätte diese Zusammenfassung gerne selbst geschrieben. Wir haben ihn nicht gelassen.

Es gibt Zugfahrten, die verändern alles. Und es gibt Zugfahrten zwischen Oldenburg und Hannover, auf denen ein Erzähler mit sieben Semestern Germanistik nach acht Minuten feststellt, dass Niedersachsen so flach ist, dass man sehen kann, wer übermorgen zu Besuch kommt.

In dieser Folge der Hörspiel-Comedy Unerzählbar packt Maren ihren Kater Dieter in eine Transportbox (er sieht aus wie ein politischer Gefangener, der auf den Anwalt wartet), steigt in den Zug und fährt zu ihrer Schwester. Der Erzähler fährt mit. Und ihm wird schnell langweilig. Sehr schnell. Lesen kann er nicht, weil ihm schlecht wird. Kein Handy. Schlafen ist unter seiner Würde. Was bleibt? Ein Vorschlag von Maren, der alles verändert: Ab jetzt wird nur noch in Reimen gesprochen.

Was als harmloses Spiel beginnt, wird zum erbitterten Reimduell quer durch Niedersachsen. Der Erzähler zitiert Metrik und Versmaße. Maren reimt einfach los und trifft besser. Kühe werden zu Musen, Hannover reimt sich auf Pullover (es reimt sich nicht auf Pullover), und ein stiller Mann aus Verden mit seiner Zeitung wird zum Gegenstand eines improvisierten Gedichts, das plötzlich gar nicht mehr lustig ist. Sondern schön.

Zwischen gescheiterten Neologismen, erfundenen Reim-Lizenzen und einem Kater, dem alles egal ist, passiert etwas, das keiner geplant hat. Ein gemeinsamer Vers. Kostenlos anhören und mitreimen. Am besten laut im Zug.

Der Erzähler über diese Folge

Er wurde nicht gefragt. Er hat trotzdem geantwortet.

Erzähler: Diese Folge ist ein Manifest über die Kunst des Reims. Ein Streifzug durch die Verskunst, von Jambus bis zum freien Vers, eingebettet in die pastorale Landschaft Niedersachsens.

Maren: Wir haben anderthalb Stunden im Zug gereimt, weil dir langweilig war.

Erzähler: Mir war nicht langweilig! Ich war landschaftlich unterstimuliert!

Maren: Du hast nach acht Minuten angefangen, Kühe zu zählen.

Erzähler: Das war eine zoologische Bestandsaufnahme. Aber dann! Dann kam die Poesie! Ich habe brilliert!

Maren: Du hast Hannover auf Pullover gereimt.

Erzähler: Die Endung stimmt! Das O, das V, das ER!

Maren: Es stimmt nichts davon.

Erzähler: Es war ein kühner Reim. Avantgarde. Wie Celan, nur mit Strickwaren.

Maren: Du hast auch Scherden gesagt. Und friedet. Und dann hast du versucht, schnell auf schnell zu reimen.

Erzähler: Das war ein Stilmittel! Die Repetition im Reimschema als Ausdruck narrativer Erschöpfung!

Maren: Dir ist einfach nichts anderes eingefallen.

Erzähler: Aber der Vers über den Mann aus Verden. Das war echte Lyrik. Das war Kunst.

Maren: Das war schön. Ja.

Erzähler: Du hast gesagt, du hast mich so noch nie gesehen.

Maren: Hab ich. Und dann hast du sofort wieder angefangen, Reim-Regeln zu erfinden.

Erzähler: Enjambement und Metapoesie sind keine Erfindungen!

Maren: Reim-Lizenz.

Erzähler: Dieses Wort verfolgt mich bis in meine Träume.

Maren: Träume reimt sich auf Schäume. Bitte.

In dieser Folge

Einer braucht Handlung. Eine hat ein Spiel. Einer schläft in seiner Box.

Picture of Der Erzähler

Der Erzähler

Ist landschaftlich unterstimuliert. Acht Minuten Zugfahrt, und Niedersachsen wird zur Endlosschleife aus Kühen und Feldern. Dann darf er in Versen sprechen und erlebt den schönsten Moment seines Lebens. Scheitert an Oldenburg, erfindet Scherden und reimt schnell auf schnell. Verliert jede Runde gegen eine Laienreimerin und nennt es Recherche.

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Maren

Wollte eigentlich lesen. Schlägt stattdessen ein Reimspiel vor, weil der Erzähler nach acht Minuten unausstehlich wird. Gewinnt jede Runde. Erfindet die Reim-Lizenz und deren Unterkategorien. Reimt Muh auf Zu und verteidigt es mit einer Kuh am Fenster. Schreibt am Ende einen gemeinsamen Vers, der plötzlich gar nicht mehr lustig ist.

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Dieter

Sitzt in einer Transportbox und hasst alles. Sieht aus wie ein politischer Gefangener, der auf den Anwalt wartet. Wird in ein Reimgedicht über Pullover verwickelt, ohne gefragt zu werden. Lehnt Wolle kategorisch ab. Schläft irgendwann ein und hat den klügsten Moment von allen dreien.

Häufig gestellte Fragen

Maren und der Erzähler beantworten eure Fragen

Erzähler: Reimen KÖNNEN und reimen DÜRFEN sind zweierlei. Diese Folge ist ein Meisterkurs in Verskunst.
Maren: Es ist eine Zugfahrt, auf der zwei Leute sich gegenseitig mit schlechten Reimen bewerfen.
Erzähler: SCHLECHTEN?! Mein Vers über die Kühe war makellos!
Maren: Du hast ihn mit “als ich” beendet, weil dir nichts gereimt hat. Einfach zuhören und Spaß haben. Vorkenntnisse in Lyrik ausdrücklich nicht erforderlich.

Maren: Nein.
Erzähler: Die Endung stimmt! Das O, das V, das ER!
Maren: Oldenburg endet auf B-U-R-G.
Erzähler: Wenn man es phonetisch betrachtet, unter Berücksichtigung des niedersächsischen Dialekts und einer gewissen Großzügigkeit im Vokalraum…
Maren: Nein.
Erzähler: …Neues Thema.

Erzähler: Dieter ist ein Wesen von stoischer Gelassenheit. Er hat die Reise mit der Würde eines politischen Gefangenen überstanden.
Maren: Er hat gemaunzt, gefaucht und irgendwann einfach geschlafen.
Erzähler: Schlaf als stiller Protest gegen die Zumutung des Reisens. Sehr Dieter.
Maren: Er ist ein Kater in einer Box. Er hat einfach gepennt.

Erzähler: Ein Vergehen gegen die deutsche Sprache, erfunden von einer Frau ohne jede lyrische Ausbildung.
Maren: Wenn’s lustig klingt, ist jeder Reim versöhnt. Steht so im Regelwerk.
Erzähler: Es gibt KEIN Regelwerk! Du hast es dir ausgedacht! Und dann hast du auch noch eine Denglisch-Reim-Lizenz erfunden!
Maren: Unterkategorie. Sehr offiziell.
Erzähler: Ich brauche eine Pause. Und ein Beruhigungsmittel.

Mehr Folgen

Der Erzähler nennt es ein Gesamtwerk. Maren nennt es Dienstag.

Folge 2

Das Date

Maren hat ein Date. Der Erzähler hat Meinungen. Dieter hat die rechte Seite des Bettes besetzt. Und niemand von den dreien gedenkt, das zu ändern.

Folge 1

Die Begegnung

Ein Erzähler will das Leben einer Frau in Oldenburg erzählen. Tragisch, bedeutungsschwer, literarisch. Sie hat andere Pläne.

Folge 5

Das Bürgeramt

Maren braucht einen neuen Personalausweis. Der Erzähler betritt zum ersten Mal eine deutsche Behörde. Eine hat ein Buch dabei. Der andere verliert den Verstand.