Dieter

Folge 12

Das Gefrierfach

Maren taut das Gefrierfach ab. Der Erzähler sieht eine Polarexpedition. Dieter sieht ein All-you-can-eat-Buffet.

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Worum geht's in "Das Gefrierfach"?

Der Erzähler hätte diese Zusammenfassung gerne selbst geschrieben. Wir haben ihn nicht gelassen.

Es gibt Orte, die kein Mensch freiwillig betritt. Die weiße Hölle hinter der Kühlschranktür zum Beispiel. Ein Ort, an dem die Zeit gefroren ist, Rahmspinat von Ostern neben mysteriösen Alufolienpaketen ruht und die Schubladen unter zentimeterdickem Eis verschwunden sind.

In dieser Folge der Hörspiel-Comedy Unerzählbar taut Maren ihr Gefrierfach ab. Mit einem Reiseföhn von Rossmann (sieben neunundneunzig, im Angebot), einem Pfannenwender, einem Flaschenöffner und gelben Gummihandschuhen. Für den Erzähler ist das natürlich kein Haushaltsvorgang, sondern eine Polarexpedition epischen Ausmaßes. Mit Gletscherabbrüchen, tückischem Moorwasser, einer Bestie der Tundra (Dieter, sechs Kilo, leckt an einem gefrorenen Fischstäbchen) und der großen Frage: Was verbirgt sich im beschriftungslosen Alufolien-Relikt?

Was als Comedy über den absurdesten aller Alltagskämpfe beginnt, wird leise und warm, als Maren ganz hinten im Fach etwas findet, das sie vor fünf Jahren eingefroren hat. Nicht weil es noch essbar wäre. Sondern weil manche Dinge schwer wegzuwerfen sind, auch wenn man sie nicht mehr braucht.

Eine Folge über Gefrierbrand und Erinnerungen, über Fischstäbchenwürde und Tiefkühl-Tetris, über das Loslassen und darüber, dass man manchmal nur den Stecker ziehen muss, damit das Eis schmilzt.

Der Erzähler über diese Folge

Er wurde nicht gefragt. Er hat trotzdem geantwortet.

Erzähler: Eine Meditation über den ewigen Kampf des Menschen gegen die Naturgewalten. Shackleton hätte applaudiert.

Maren: Sie haben IHH geschrien, weil Ihnen ein Eiswürfel auf den Schuh gefallen ist.

Erzähler: Das war ein arktischer Warnruf!

Maren: Sie sind rückwärts in meinen Mülleimer gestolpert.

Erzähler: Ein TAKTISCHER RÜCKZUG!

Maren: In den Mülleimer.

Erzähler: …Die Expedition vermerkt diesen Vorfall nicht im Logbuch.

Maren: Dafür vermerkt sie die Würde von Fischstäbchen?

Erzähler: Jedes Lebensmittel hat Würde! Das habe ich sehr überzeugend dargelegt!

Maren: Sie haben fast geweint, weil ich die Fischstäbchen hochkant stellen wollte.

Erzähler: Weil es gegen jedes Naturgesetz verstößt!

Maren: Es sind panierte Fischrechtecke für einen neunundneunzig.

Erzähler: Der Preis eines Wesens bestimmt nicht seinen Wert. Das war übrigens der poetischste Satz der gesamten Folge.

Maren: Das war ein Satz über Fischstäbchen.

Erzähler: Und über die Erdbeertorte. Das Ende war… es hatte eine gewisse…

Maren: Eine gewisse was?

Erzähler: Wärme. Wenn Sie mich schon fragen.

Maren: Ich ruf morgen Mama an.

Erzähler: Gute Idee.

Maren: Sehen Sie. Gelegentlich sind Ihre Metaphern sogar gut.

Erzähler: Gelegentlich.

In dieser Folge

Einer narrt sich durch die Arktis. Eine hat einen Reiseföhn. Einer hat ein Fischstäbchen.

Picture of Der Erzähler

Der Erzähler

Macht aus einem Gefrierfach eine Polarexpedition. Vergleicht gelbe Gummihandschuhe mit Amundsen, Erbsen mit smaragdgrünen Sphären und einen Reiseföhn mit einem Flammenwerfer. Schreit IHH wegen einer Pfütze, stolpert in den Mülleimer und verteidigt die Würde von Fischstäbchen. Wird am Ende ganz still, als es um Erdbeertorte geht.

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Maren

Taut das Gefrierfach ab, das sie seit Oktober ignoriert hat. Kämpft mit Eis wie Beton, einer klemmenden Schublade, Tiefkühl-Tetris und einem Erzähler, der ihr ständig in den Nacken atmet. Findet ganz hinten im Fach ein Stück Erdbeertorte von ihrem Dreißigsten. Legt es in den Müll. Nicht geworfen. Gelegt. Ruft morgen Mama an.

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Dieter

Wird vom Tauwasser angelockt. Beißt in ein steinharts Fischstäbchen, bekommt Petersilie in die Nase und niest. Schleppt seine Beute ins Wohnzimmer, wo sie auf dem Teppich schmilzt. Liegt am Ende unter dem Küchentisch und verdaut. Hat den besten Tag von allen dreien.

Häufig gestellte Fragen

Maren und der Erzähler beantworten eure Fragen

Erzähler: Die narrative Architektur dieser Serie ist ein fein gesponnenes Netz aus Referenzen und…
Maren: Nein. Ich taue ein Gefrierfach ab. Das versteht man auch ohne Vorwissen.
Erzähler: Aber die EMOTIONALE Tiefe der Erdbeertorten-Szene entfaltet sich erst im Kontext der…
Maren: Es ist ein Tortenstück. Im Gefrierfach. Hör einfach rein.

Maren: Ja. Steinhart und gefroren. Er hat es ins Wohnzimmer geschleppt wie eine Trophäe.
Erzähler: Die Bestie der Tundra sicherte ihre Beute mit der Präzision eines Schneeleoparden!
Maren: Er hat sich vorher in die eigene Pfote gebissen, weil er dachte, es wäre ein Fisch.
Erzähler: Ein taktisches Ablenkungsmanöver.
Maren: Er wiegt sieben Kilo und hat Petersilie in die Nase bekommen. Da war nichts taktisch.

Erzähler: Es gibt einen Moment von beträchtlicher narrativer Gravität, der…
Maren: Ich finde ein altes Stück Torte im Gefrierfach. Von meiner Mutter. Und ja, das ist… das wird kurz was anderes.
Erzähler: Es war nie das Essen.
Maren: Nein. War es nicht.
Erzähler: Manchmal muss man abtauen, damit wieder Platz ist.
Maren: Sehen Sie, und DAS war eine gute Metapher.

Erzähler: Rahmengenähtes Schuhwerk ist ein Zeichen von Kultiviertheit und handwerklicher Tradition, das…
Maren: Er hat Angst vor nassen Socken.
Erzähler: Ich habe NICHT Angst vor nassen Socken! Ich schütze eine Investition!
Maren: Dann hätten Sie nicht in die Pfütze treten sollen.
Erzähler: Ich musste einer Eisnadel ausweichen!
Maren: Es war ein Eiswürfel. Und dann haben Sie IHH gesagt.
Erzähler: ARKTISCHER WARNRUF!

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