Dieter

Folge 6

Das Smartphone

Maren zeigt dem Erzähler ihr Smartphone. Er verliert Goethe an die Autokorrektur, entdeckt Katzenvideos und schreibt seinen ersten Instagram-Post. Über Dieter.

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Worum geht's in "Das Smartphone"?

Der Erzähler hätte diese Zusammenfassung gerne selbst geschrieben. Wir haben ihn nicht gelassen.

Manche Sonntage beginnen mit dem Vorsatz, etwas Sinnvolles zu tun. Und manche Sonntage beginnen auf einem Sofa in Oldenburg, mit einem Kater auf dem Bauch und einem leuchtenden Rechteck in der Hand. Seit drei Stunden. Dreihundertsiebenundvierzig Daumenbewegungen. Der Erzähler hat gezählt.

In dieser Folge der Hörspiel-Comedy Unerzählbar betritt ein Mann mit sieben Semestern Germanistik zum ersten Mal die digitale Welt. Und die digitale Welt ist nicht vorbereitet. WhatsApp ist Kommunikation ohne Anrede. Emojis sind Gefühle ohne Worte. Ein gelber Daumen ersetzt zweihundertfünfzigtausend Wörter der deutschen Sprache. Und die Aubergine steht nicht für Gemüse.

Maren zeigt ihm alles: Gruppenchats, in denen acht Menschen gleichzeitig reden und niemand zuhört. Instagram, wo ihre Carbonara dreiundfünfzig Herzen bekommt und Dieter der Kater hundertsieben. TikTok, wo ein Mann fünfzehn Sekunden tanzt und vier Millionen zuschauen. Und die Autokorrektur, die Goethe in Gurke verwandelt.

Der Erzähler ist entsetzt. Dann fasziniert. Dann süchtig. Und irgendwo zwischen oddly satisfying Videos und blauen Haken passiert etwas, das in keine Zeichenbegrenzung passt. Ein Sonntagabend in Oldenburg, an dem ein leuchtendes Rechteck und ein analoger Erzähler lernen, dass sie eigentlich dasselbe wollen. Jetzt kostenlos anhören.

Der Erzähler über diese Folge

Er wurde nicht gefragt. Er hat trotzdem geantwortet.

Erzähler: Eine Meditation über den Verfall der menschlichen Kommunikation. Über die Tyrannei leuchtender Rechtecke. Über das Verschwinden der Sprache in einem Meer aus gelben Gesichtern.

Maren: Du hast ein Katzenvideo zweimal geguckt und bei Seife-Schneiden geflüstert.

Erzähler: Ich habe die Wirkungsmechanismen analysiert! Die Viskosität war bemerkenswert!

Maren: Du hast bei der Schokolade Ja gesagt. Wie bei einer Hochzeit.

Erzähler: Neues Thema.

Maren: Und dann hast du alle dreißig Sekunden gefragt, wie viele Likes dein Dieter-Text hat.

Erzähler: Achtundfünfzig Herzen! In wenigen Stunden! Das ist eine kulturelle Resonanz, die man nicht ignorieren kann!

Maren: Gestern war das Handy noch das Ende der Zivilisation.

Erzähler: Gestern hatte ich noch keine achtundfünfzig Herzen.

Maren: Du hast auch Hashtag Thiccboy gesagt.

Erzähler: Das ist ein Fachbegriff.

Maren: Ein Fachbegriff.

Erzähler: Aus der digitalen Anthropologie. Drittes Kapitel meiner Feldforschung.

Maren: Du hast sechs Stunden auf meinem Sofa gesessen.

Erzähler: Feldforschung hat keinen festen Ort. Das weiß jeder Ethnologe.

Maren: Und am Ende hast du mit meinem Handy geredet. Nachts. Auf dem Nachttisch.

Erzähler: Ich habe innerlich monologisiert.

Maren: Laut.

Erzähler: Es war ein vertrauliches Gespräch unter Kollegen. Wir wollen beide nur deine Aufmerksamkeit.

Maren: Das ist gleichzeitig das Traurigste und das Süßeste, was du je gesagt hast.

Erzähler: Wie der Emoji, der lacht und weint.

Maren: Du hast gerade einen Emoji als Vergleich benutzt. Mein Werk ist vollbracht.

In dieser Folge

Einer begegnet dem Internet. Eine hat WLAN. Einer hat hundertsieben Likes.

Picture of Der Erzähler

Der Erzähler

Begegnet zum ersten Mal einem Smartphone. Zählt Daumenbewegungen, wird von einem Katzenvideo besiegt und verliert Goethe an die Autokorrektur. Schreibt seinen ersten Instagram-Text, bekommt achtundfünfzig Herzen und verrät damit alles, was er über die Überlegenheit des analogen Lebens behauptet hat. Redet nachts mit dem Handy auf dem Nachttisch.

Picture of Maren

Maren

Liegt auf dem Sofa. Seit drei Stunden. Führt den Erzähler geduldig durch WhatsApp, Emojis, TikTok und Instagram und genießt jeden einzelnen Moment seines kulturellen Zusammenbruchs. Nennt ihn analogen Luxus. Legt das Handy weg, als er darum bittet. Aber nur kurz.

Picture of Dieter

Dieter

Liegt auf Maren. Springt irgendwann vom Sofa, weil leuchtende Rechtecke keine Streicheleinheiten liefern. Bekommt hundertsieben Likes auf Instagram, ohne es zu wissen. Beansprucht abends die rechte Bettseite. Wird vom Erzähler als Aubergine-Emoji bezeichnet. Weil er dick ist. Nicht wegen dem anderen.

Häufig gestellte Fragen

Maren und der Erzähler beantworten eure Fragen

Erzähler: Nein. Man muss lediglich verstehen, dass die gesamte Menschheit freiwillig auf leuchtende Rechtecke starrt, während die Sprache stirbt.
Maren: Wenn du ein Handy hast, findest du es lustig. Wenn du keins hast, bist du der Erzähler.
Erzähler: Ich bin kein Technikfeind! Ich bin kulturell anpassungsfähig!
Maren: Du hast Goethe diktiert und Gurke kam raus.
Erzähler: Technisch gesehen eine Frucht.
Maren: Einfach reinhören. Jeder, der schon mal blaue Haken angestarrt hat, wird sich verstanden fühlen.

Erzähler: Die Aubergine ist ein Nachtschattengewächs aus der Familie der Solanaceae, reich an Ballaststoffen und
Maren: Er weiß es. Er tut nur so.
Erzähler: Ich weigere mich, es auszusprechen. Die gesamte Obsttheke ist korrumpiert.
Maren: Der Pfirsich auch.
Erzähler: WIR SPRECHEN NICHT ÜBER DEN PFIRSICH.

Maren: Dreiundsiebzig bis zum Schlafengehen. Mein Rekord.
Erzähler: MEIN Text. Sieben Wörter. Dieter, sieben Kilo Meinung auf vier Pfoten. Zweiundvierzig Zeichen. Perfekt proportioniert.
Maren: Hashtag Thiccboy.
Erzähler: Ein Fachbegriff, den ich bewusst und strategisch eingesetzt habe.
Maren: Du hast ihn von meinem Instagram abgelesen.
Erzähler: Feldforschung.

Erzähler: Absolut nicht. Das Smartphone ist und bleibt ein Symptom des kulturellen Niedergangs. Es kennt Goethe nicht, aber die Gurke.
Maren: Du hast nachts mit meinem Handy geredet.
Erzähler: Das war ein innerlicher Monolog.
Maren: Du hast gesagt: Du und ich, wir wollen beide nur ihre Aufmerksamkeit.
Erzähler: Das war kontextuell aus dem Zusammenhang gerissen.
Maren: Du lagst neben meinem Nachttisch und hast geflüstert.
Erzähler: Neues Thema.

Mehr Folgen

Der Erzähler nennt es ein Gesamtwerk. Maren nennt es Dienstag.

Folge 7

Der Filmabend

Der Erzähler hat noch nie ferngesehen. Maren hat eine Fernbedienung mit siebenundvierzig Knöpfen. Einer von beiden schreit am Ende den Bachelor an.

Folge 10

Die Hochzeitsrede

Maren soll eine Hochzeitsrede halten. Der Erzähler schreibt 27 Entwürfe. Dieter frisst die besten Stellen.

Folge 2

Das Date

Maren hat ein Date. Der Erzähler hat Meinungen. Dieter hat die rechte Seite des Bettes besetzt. Und niemand von den dreien gedenkt, das zu ändern.